„Raum geben“ Das Wallfahrtsjahr 2026 in Heimbach

Breinig3 (c) Nicole Weiden-Luffy
Breinig3
Datum:
Fr. 26. Juni 2026
Von:
Kurt Josef Wecker, Pfr.
„Raum geben“ - mit diesem Motto gehen die Nordwestdeutschen Wallfahrtsorte 2026 in das Pilgerjahr. Ein Motto, das unseren Wunsch aufgreift: Es soll nicht eng werden in unserem Leben. Pilgernd wollen wir ins Freie kommen, springen wir buchstäblich über Mauern und machen eine Reise ins Weite. Maria ist die Frau, die Gott Raum gibt und die ihre Verwandte heimsucht. Elisabeth ist die freundliche Gastgeberin, die der schwangeren Maria für drei Monate Raum gibt und Zeit schenkt. Maria trägt den aus, auf den Zeit und Raum geschaffen sind. Wir alle leben nur, weil Gott uns Raum, Lebensraum und -zeit einräumt. Wir dürfen uns vor ihm frei bewegen, weil er uns Entfaltungsraum gönnt.
Dem Heiligen und dem gemeindlichen Leben in Zukunft Raum zu geben - das wird auch in unserem Pastoralen Raum ein Thema werden. Was ist, wenn Kirchengebäude zu groß werden, wenn viele jahrzehntelang selbstverständliche volkskirchliche Strukturen verdunsten, wenn es zu viele oder zu weiträumige Gottesräume für zu wenige Beterinnen und Beter gibt? Vielen ist ihre Kirche als Raum der Erinnerung und der persönlichen Glaubensbiographie kostbar. Kirche wird in Zukunft nicht mehr überall räumlich präsent sein können. Welche Räume sind schützenswert und werden in jedem Fall bleiben? Orte, an denen uns das Heilige erwartet und wir dem Heiligen Geist Entfaltungsraum geben? Das müssen nicht immer feste Gottesräume sein; es können ganz neue Orte der Begegnungen sein, wo Menschen vor Ort Leben und Glauben miteinander teilen. Die Gemeinde Schmidt hat innovativ durch Umgestaltung der großen Hubertuskirche Freiraum gewonnen für gemeindliches Leben und doch den Kirchenraum als zentralen Ort der Gemeinde erhalten.
Gott ist Weite und schenkt Weite, gewährt Entgrenzung. Er ist ‚dreifaltig einer‘, also kein enger und sperriger Gott; und er ist darum nicht der, der uns einengt und uns knebelt und die Luft zum Atmen nimmt. Er ist nicht der, der exklusiv nur die geistlich Fitten und Frommen zulässt; er gönnt uns Platz und gibt uns frei. Diesen uns Lebensraum gewährenden Gott feiern wir, ihm verdanken wir uns. Ja, das brauchen wir: Weite, uns öffnende Räume der Entfaltung, des Atmens, des Denkens (auch des Anders-Denkens!) und Betens. Wir hoffen auf eine gastfreundliche Kirche, heile und heilige Orte, in denen wir einander und dem ‚fremden Gast‘ Jesus Christus einen Platz einräumen, Platz machen für das Heilige. Wir brauchen Atemräume, in denen wir einander und Ihn ausreden lassen. Zeit, Lebensraum, Freiraum – das sind Gaben des schenkenden Gottes. Er engt uns nicht ein und gewährt Raum zur Antwort.
So geschah es in der Kammer von Nazareth, als der liebe Himmel Maria Raum gab zum freien Ja-Wort. Gott wartet. Er bittet, dass Maria ihm Raum gibt, damit er sich in ihr entfaltet und für sie auch zur unvorhersehbaren Zumutung und Überraschung wird. Marias Schutzmantel ist weit: Hier habt ihr Raum und Zeit für Eure stotternden Gebete, das anderswo nicht Eingestandene, das Schweigen und den Lobpreis.
Gott sprengt alle Räume, in denen wir ihn für uns haben und einschließen wollen. Gott ist ‚unräumlich‘. Wer darf die Schwelle überschreiten, in diesen unbegrenzten Raum, in dieses besondere Kraftfeld also hineintreten und sich vom Heiligen berühren lassen? Solche heiligen und bergenden Räume der Begegnung mit dem lebendigen Gott können wir nicht selbst wählen, sondern sie nur suchen und hoffentlich finden; Orte, die Trost schenken, unser Herz weit machen, die uns spüren lassen, dass wir unter dem Segen Gottes stehen und das Licht auch die dunklen Ecken unseres Innenlebens erhellt. Orte, die uns ahnen lassen, dass wir auf einen Raum, eine Heimat zugehen, in der noch niemand gewesen ist und die doch unser Pilgerziel sein wird.
Wir brauchen Räume für(s) Heilige, vielleicht auch, um ein wenig heiler und heiliger zu werden. Ein Wallfahrtsort wie Heimbach ist ein solcher Raum, der Platz schafft. In den Wochen der Fußball-WM erfahren wir in der Wallfahrt eine Form „sportlicher Frömmigkeit“, ein ‚heiliges Spiel‘ auf Pilgerwegen und im ‚Endspiel‘ der Heiligen Eucharistie. Es tut gut, Fußpilgernde unter freiem Himmel zu sein und ein Ziel vor Augen zu haben, das sich uns öffnet, in das wir uns betend versenken können. Ein Wallfahrtsort wie Heimbach ist ein geistlicher Raum, der sich uns öffnet – auch wenn Pilger nicht mühelos und ohne Anstrengung dorthin gelangen. Wir brauchen solche Freiräume wie ein ‚Asyl‘ - für alle, denen es eng zumute ist ums Herz, die gepresst, eingeschnürt und gedrückt werden, denen man den Entfaltungsraum verweigert und für die das Leben nicht sperrangelweit offensteht, für Menschen mit „Platzangst“.
Vom 4. bis 12. Juli 2026 ist Wallfahrtsoktav in Heimbach; ein geistliches Angebot für den ganzen Pastoralen Raum! Beachten Sie bitte die geistlichen Angebote in dieser religiösen Woche. Heimbach möge ein wohltuender Ort sein, an dem wir Christusspuren entdecken, ein Gnadenort für ein Bild, das uns Raum gibt für unseren Dank und unsere Bitte, unser Schweigen und Singen. Augen, die uns anblicken und uns im Anblicken zu ‚Pilgern der Hoffnung‘ verwandeln. Ich wünsche uns, dass wir den gastfreundlichen Gott erfahren, den von ihm uns geschenkten Raum mit Gutem ausfüllen, Ihn ausreden lassen und die Charismen entdecken, die Er in uns hineingelegt hat.
Ihnen und Euch einen erholsamen Sommer und schöne Ferien- und Urlaubstage!
Kurt Josef Wecker, Pfr.